"Ethik und KI" - warum das nicht zusammen geht.
Vortrag von Markus Feilner
Matinee beim Bund für Geistesfreiheit Regensburg
7. Dezember 2025
Kontroverse Matinee des Bundes für Geistesfreiheit
mit IT-Experten Markus Feilner
Unter dem provokanten Titel
„Ethik und KI – warum das nicht zusammen geht“ lud der Bund für Geistesfreiheit Regensburg zur Matinee mit dem Journalisten, IT-Unternehmer und Open-Source-Experten
Markus Feilner.
Der Vortrag mit anschließender Diskussion zog zahlreiche Interessierte an und entwickelte sich rasch zu einer ebenso kritischen wie engagierten Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Folgen künstlicher Intelligenz.
Feilner, seit Jahrzehnten als Journalist unter anderem für Linux-Magazin, Heise und Golem tätig, ehemaliger Team Lead bei SUSE sowie Gründer der Feilner-IT, ist zudem Consultant, Trainer, Autor, Open-Source-Evangelist und Pressesprecher von Scientists for Future. Seine vielfältige berufliche Erfahrung bildete die Grundlage für eine fundierte und zugleich pointierte Analyse aktueller KI-Entwicklungen.
Zu Beginn nahm Feilner eine Begriffsklärung vor und unterschied zwischen „Ethik“, „Intelligenz“ und „künstlicher Intelligenz“. Dabei stellte er die zentrale Frage in den Raum, ob es sich bei KI tatsächlich um eine revolutionäre neue Technologie oder um „alten Wein in neuen Schläuchen“ handle. Deutlich wurde: Aktuelle KI-Systeme hätten kein Verständnis von Inhalten, sondern arbeiteten auf Basis von Zufallswahrscheinlichkeiten. Dass ihre Ergebnisse oft menschlich wirkten, sei ein Effekt der sogenannten Pareidolie – der menschlichen Neigung, Sinn und Absicht auch dort zu sehen, wo keine vorhanden ist. Eine Treffergenauigkeit von etwa 70 Prozent bedeute, so Feilner, bereits beim zweiten Schritt statistisch einen Münzwurf.
Besonders kritisch beleuchtete der Referent
den Einfluss der großen Tech-Eliten, der „Big Five“:
Elon Musk, Peter Thiel, Mark Zuckerberg, Jeff Bezos und Sam Altman.
Deren wirtschaftliche Macht gehe, so Feilner, vielfach mit demokratiefeindlichen, frauenrechtskritischen und elitistischen Ideologien einher. Exemplarisch zitierte er Aussagen des Investors Peter Thiel, der Demokratie und Gleichberechtigung offen infrage stelle und den kulturellen Niedergang des Westens religiös deute.
Solche Denkmuster seien, so die Warnung, keineswegs harmlos, sondern prägten zunehmend die technologische Entwicklung.
Aus dieser Gemengelage leitete Feilner ernstzunehmende gesellschaftliche Gefahren ab: den Verlust einer sachlichen Diskussionskultur, die Festigung sozialer Ungleichheit, einen wachsenden Hass auf Bildung und Wissenschaft sowie einen zunehmenden Nihilismus. Besonders problematisch sei der Longterminismus, der zukünftiges angebliches „größeres Wohl“ über heutige Menschen stelle und dadurch sogar Gewalt legitimieren könne.
Auch der Accelerationismus, der Krisen bewusst beschleunigen wolle, um Systemzusammenbrüche zu erzwingen, wurde als hochgefährliche Ideologie eingeordnet.
In der lebhaften Diskussion mit dem Publikum wurde deutlich, wie groß der Informationsbedarf, aber auch die Verunsicherung im Umgang mit KI ist. Viele Fragen drehten sich um Regulierung, Verantwortung der Technologieunternehmen sowie die Rolle von Bildung und Zivilgesellschaft.
Übereinstimmend wurde betont, dass kritisches Denken, Transparenz und demokratische Kontrolle unverzichtbar seien, um den technologischen Fortschritt nicht den Interessen weniger Machtgruppen zu überlassen.
Die Matinee des Bundes für Geistesfreiheit Regensburg zeigte eindrucksvoll, dass die Debatte um künstliche Intelligenz weit über technische Fragen hinausgeht – und dass die ethischen, politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen dringender denn je öffentlich diskutiert werden müssen.

